Familie festigt Einfluss im Biotest-Aufsichtsrat
Eigner wollen Entsendungsrecht verankern
Börsen-Zeitung, 26.3.2009
swa Frankfurt - Nach dem Abbruch von Verkaufsverhandlungen
will die Gründerfamilie ihren Einfluss beim Pharma- und
Diagnostikunternehmen Biotest über die Satzung festigen. Wie derEinladung zur Hauptversammlung am 7. Mai zu entnehmen ist, soll das Recht zur Entsendung von maximal zwei Mitgliedern in den
Aufsichtsrat eingeräumt werden. Die Familie Schleussner hält über
die Ogel GmbH 50,03 % der Stammaktien. Die Tochter des
Gründers, Cathrin Schleussner, ist stellvertretende Vorsitzende des
sechsköpfigen Kontrollgremiums.
Im Herbst vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass die
Familie den Ausstieg sucht. Die Stammaktien hatten damals zum
historischen Hoch von 66,70 Euro notiert; aktuell liegt der Kurs bei
knapp 30 Euro. Anfang Februar dieses Jahres hatte Biotest
mitgeteilt, dass der Verkaufsprozess "bis auf Weiteres" beendet
worden sei.
Laut Vorschlag an die Hauptversammlung soll die Familie
berechtigt werden, bei einem Sechser-Aufsichtsrat einen Vertreter
zu entsenden, sofern sie noch mit mindestens 25 % der Stammaktien
beteiligt ist. Bei einem größerem Aufsichtsrat dürfen zwei
Mitglieder bestimmt werden, vorausgesetzt, die Beteiligung beträgt
mindestens 30 %. Die nächste Aufsichtsratswahl ist 2011.
Das Entsendungsrecht wird vor allem von internationalen Anlegern
sehr kritisch gesehen. Bei ThyssenKrupp rief die Verankerung
dieses Sonderrechts erheblichen Protest und Klagen hervor.